… und Einkehr im Welschdorf …
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Zu einem interessanten Themenabend lud Achim Hoffmann seine Kameraden der Freizeitgruppe der AH-Abteilung der Spielvereinigung Schiltach am Donnerstagabend ein.
Ein für die AH ungewöhnlicher Donnerstag, der jedoch der abschließenden Einkehr im Gasthaus “Welschdorf” in Hinterlehengericht geschuldet war.
In seinen Ausführungen konnte Achim Hoffmann berichten, dass mit den Planungen zur Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Singen auch eine Linie durch das Schiltachtal in Erwägung gezogen wurde. Diese wäre wohl auch deutliche günstiger gewesen als die ausgeführte Schwarzwaldbahn. Allerdings konnte man sich in Baden nicht vorstellen, eine Bahn über das württembergische „Ausland“ zu genehmigen, so dass man die Sommeraulinie realisierte.
Die Idee eines Bahnanschlusses ließ die Menschen in Schramberg aber nicht mehr los. Als im Jahre 1886 die Kinzigtalbahn bis Freudenstadt durchgehend fertiggestellt war, wurde man nochmals aktiv und kam nach zähen Verhandlungen letztendlich auch den Forderungen des Landes Württemberg bei der Finanzierung nach und so beschloss der Stuttgarter Landtag am 5. Mai 1887, die Bahnlinie zu errichten. Das Projekt wurde vom württembergischen Staat reslisiert, obwohl der größte Teil der knapp 9 km langen Strecke mit 7 km auf badischem Gebiet liegt.
Doch damit konnte die Schramberger Industrie an die Kinzigtalstrecke angeschlossen werden und die Strecke ging am 8. Oktober 1892 in Betrieb. Haltepunkte waren, neben den Bahnhöfen in Schramberg und Schiltach, in Lehengericht und Schiltach-Stadt gegenüber der Gärtnerei Götz!
Folge der Einrichtung der Bahnlinie war das Aufblühen der Stadt Schramberg. Neben zahlreichen Güterzügen stellten auch Personenzugpaare den Anschluss an die Kinzigtalbahn her.
Die Haltestelle Hinterlehengericht bekommt 1929 sogar ein Gebäude. Ein zusätzliches Gütergleis zweigt jetzt zur neuen Junghans-Fabrik dort ab, welche durch die Firma selbst finanziert wurde.
Der Personenverkehr bringt in erster Linie Arbeiterinnen und Arbeiter in die Fabriken nach Schramberg, Schiltach und Lehengericht.
Der Güterverkehr dagegen ist von größter Bedeutung. Die Schramberger Majolikafabrik (Villeroy & Boch), die Uhrenfabrik Junghans und die Hamburg Amerikanische Uhrenfabrik bestücken täglich mit ihren Erzeugnissen die Bahnwaggons und werden mit Rohmaterialien beliefert.
Am 23. November 1959 ist das Ende des Personenverkehrs Schramberg – Schiltach. Bahnomnibusse werden nun auf der Straße eingesetzt. Die letzte Fahrt einer Dampflok findet am frühen Morgen des 28. September 1974 statt, danach begann die Zeit der Dieselloks im Güterverkehr.
Nach einem Erdrutsch und einer Zugentgleisung am 6. April 1990 wird auch der Güterverkehr Schramberg – Schiltach eingestellt. Die Strecke ist nun stillgelegt und wird Jahre später zum attraktiven und gut genutzten Geh- und Fahrradweg ausgebaut.
Mit Interesse folgten die AH-Kameraden den Ausführungen, teilweise konnte man sich noch selbst an die Bahnzeit Schiltach – Schramberg erinnern.
Zu guter letzt kehrte man mit Freude im Gasthaus “Welschdorf” bei Diana Schuler und Co. ein und verbrachte bei gutem Essen und kühlen Getränken noch einige Stunden im Hinterlehengericht, ehe man wieder per Bus oder Privattaxis die Heimreise auf der Straße nach Schiltach antrat.
Heute noch vorhandene Teile der ehemaligen Bahnlinie:
-Kinzigüberbrückung mit einer Parallelgurtbrücke mit untenliegender Fahrbahntrasse und doppeltem Fachwerk in Metallausführung
– 274 Meter langer Kirchbergtunnel
-Schiltachbrücke bei Sommerwies
-Schiltachbrücke bei Erdlinsbach
-Schiltachbrücke unterhalb Bühlhof beim Rappenfelsen (Gemarkung Schramberg).

