Das Ghana-Spiel

Hoher Besuch aus Afrika kündigte sich zur Fasnet 1960 durch die örtliche Presse in Schiltach an. Fritz Dinger, damals erster Vorstand der Spielvereinigung Schiltach und Georg Fieser waren die Hauptinitiatoren. Sie hatten die Idee den Schiltachern ein einzigartiges Großereignis von internationalem Format vorzugaukeln. Fritz Dinger, der im Rathaus als Ratschreiber tätig war, verbreitete von höchster Ebene und hoch offiziell das Gerücht: „Über das Amtliche Nachrichtenblatt wird verkündet, dass aufgrund der Unabhängigkeit, die das Land Ghana jüngst erlangte, die somit neu entstandene National-Elf in Schiltach gastiere und das die Stadt nach privaten Unterkunftsmöglichkeiten für die Schwarz-Afrikaner suche.“, worauf sich manch rüstige Witwe meldete und die Bereitschaft signalisierte durchaus auch mehrere Afrikaner zu beherbergen, mit der Bedingung, dass der Fußballpräsident der Ghanaer dabei sein müsste.

Im Amtlichen Nachrichtenblatt vom 13. Februar 1960 hieß es: „Ghana kommt mit Star-Aufstellung“. Die Spielvereinigung gibt bekannt: Wie wir durch den Präsidenten des Fußballverbandes Ghana, Ohumda Waglani, erfahren, wird die Auswahlelf der Republik Ghana gegen Schiltach am 28. Februar 1960 voraussichtlich in folgender Aufstellung antreten: Wuhambi (5) Angola (11) Ubangi (8) Kassai (2) Pongo (25) Lomani (10) Ruanda (2) Urundi (10) Matadi (17) Lourenco (30) Bantu (1). Um den Schiltachern den Scherz auch wirklich glaubhaft zu vermitteln, kam am 27. Februar noch eine amtlichen Mitteilung: Wir möchten nochmals kurz die wichtigsten Termine bekannt geben: 13.30 Uhr Ankunft der Gäste am Bahnhof Schiltach mit Begrüßung. Anschließend Marsch durch Schiltach zum Sportplatz. 14.30 Uhr: Spielbeginn. Leitung: Mahatma Raleigh, Indien. Die Mannschaft der Ghanaer bestand überwiegend aus aktiven Fußballern der ersten und zweiten Mannschaft. Leiter der Partie war der „Inder“ Karl Sauerbrunn. Im „Urslinger Hof“ wurden die vermeintlichen Nationalspieler aus Ghana geschminkt und um jeglichen Blickkontakt zu vermeiden, durch den Hinterausgang direkt in einen bereit gestellten Möbelwagen geschleust. Der Wirt Kurt Heinzelmann fuhr die „Ghanaer“ dann an den Bahnhof in Halbmeil, wo sie ihre „weite Reise“ nach Schiltach antraten. Derweil warteten am Schiltacher Bahnhof neugierig die begeisterten Massen auf die ach so fremden, wie faszinierenden Afrikaner.

Auch das Fernsehen wurde miteinbezogen: „Die Spielvereinigung gibt folgendes bekannt: Was wir nicht zu hoffen wagten, wird Wirklichkeit. Der Südwestrundfunk ist wegen der Übertragung des internationalen Fußballspieles zwischen Schiltach und Ghana an uns herangetreten und wird sehr wahrscheinlich das Spiel sowie die Ankunft der Gäste im Fernsehen übertragen. Damit hat Schiltach seine weitere Sensation. Der Übertragungswagen mit der Fernsehkamera wird bereits vor Ankunft der Gäste am Bahnhof Schiltach sein.“

Im Offenburger Tageblatt vom 02.03.1960 war damals zu lesen: „Am Sonntag aber hatte Schiltach die „Sensation“, kehrte doch die Fußball-Elf aus Ghana im Städtle ein. Nur zu Jubiläumsspielen sah man bis jetzt auf dem Sportplatz derartig viele ehrlich begeisterte Zuschauer. Man konnte mit der Teilnahme der Bevölkerung zufrieden sein, die sich schon beim Empfang auf dem Bahnhof ausdrückte. Die Stadt- und Feuerwehrkapelle stand bereit, als der Zug mit den Gästen, die so weit angereist waren, ankam. Nach der Begrüßung durch den prominenten Stadtvertreter Heinrich Hübner und dem Abspielen der Nationalhymne von Ghana, formierte sich der Zug, denn sämtliche Schiltacher Fußballer hatten es sich nicht nehmen lassen, zum Empfang am Bahnhof zu sein. Das strahlend schöne Wetter tat ein übriges zur Erhöhung der Feststimmung. Der Fußballpräsident aus Ghana, seine Rede musste übersetzt werden, sprach seine Freude darüber aus gegen eine so bekannte Mannschaft wie Schiltach antreten zu dürfen. Um unparteiische Schiedsrichter zu haben, waren zwei Inder dafür gewonnen worden. Sie machten ihre Sache ausgezeichnet und gaben schließlich ein 3:2 für Ghana bekannt. Nach dem Spiel zog ein fröhlicher Fußballverein durch Schiltach, voran die Stadtkapelle. Der Abend brachten Höhepunkt des Tages. Ein Blau-Weiß-Ball fand in der Turnhalle statt. Die Gäste verließen Schiltach mit dem Gefühl, neue Freunde gewonnen zu haben.“